1.
Darf man noch beruhigt Radfahren?
Ja, unsere Empfehlung ist, Männer sollten weiterhin Rad fahren.
Es überwiegen unserer Ansicht nach die positiven gesundheitlichen
Aspekte.
2.
Also so lange Rad fahren, bis man impotent oder unfruchtbar wird?
Man muss wissen, wen wir da untersucht haben. Es waren Männer,
die auf ein Mountainbike stiegen, um abseits unbefestigter Wege
ihrem Sport nach zu gehen. Das waren keine Freizeit-Radler, sondern
Menschen, die täglich bis zu zwei Stunden und sechs Tage die
Woche durchs Gelände fahren. Die gehen intensiv ihrem Sport
nach. Das sind wirklich keine Radler, die mal am Wochenende aufs
Rad steigen. Freizeitradler haben wir nicht untersucht, es scheint
das Risiko jedoch nicht erhöht. Trotzdem haben uns bei den
Bikern vor allem die Verkalkungen überrascht. Diese werden
nach unseren Erkenntnissen durch wiederholte minimal Traumen (Verletzungen)
verursacht. Die Entwicklung einer Impotenz ist durch das Biken möglich
- es sind hier jedoch genauso Rennradfahrer betroffen. Freizeitradler
sind weniger gefährdet. Wir werden sicher noch abklären,
ob diese Verkalkungen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben.
3.
Was können diese Verkalkungen bewirken?
Es handelt sich um Kalziumablagerunen in den Hoden, Nebenhoden,
sowie im Hodensack, genannte Skrotolithe, die Schwellungen und Infektionen
hervorrufen können. Diese Verkalkungen können schmerzhaft
sein, wie sich bei der Hälfte der von uns untersuchten Radfahrer
herausstellte. Entfernen kann man die Verkalkungen nicht, indem
man einfach eine Salbe aufträgt. Die Beschwerden kann man mittels
entzündungshemmmender und schmerzlindernder Salben bessern.
Zur Entfernung der Verkalkungen wäre ein operativer Eingriff
notwendig, dies ist aber normalerweise nicht notwendig.
4.
Wie kann man sich vor diesen Verkalkungen schützen?
Der wichtigste Tipp ist sicherlich, dass man regelmäßige
Pausen einlegen sollte. Denn beim Rad fahren werden die Blutgefäße
für den Penis eingedrückt. Man hat dies bereits untersucht,
und festgestellt, dass die Sauerstoffsättigung im Penis bereits
nach kurzer Zeit abnimmt. Deshalb empfehlen wir, mindestens jede
Stunde für fünf Minuten eine Pause einlegen, oder wenigstens
aus dem Sattel steigen, um die Blutgefäße, aber auch
die Nerven zu entlasten.
5.
Können neue, bessere Sättel helfen?
Gepolsterte Radhosen und auch die neuen ergonomisch geformten
Sättel können helfen, müssen aber nicht. Denn es
gibt einfach nicht den Sattel, der für jeden passt. Unter medizinischen
Gesichtspunkten sollte man zu einem vollgefederten Fahrrad (Full-suspension
bike) greifen, welches die Stöße besser abfedert. Doch
nicht jedes gefederte Fahrrad ist auch gut. Wenn man den Sport betreiben
möchte, sollte man auf entsprechende Qualität setzen,
die sich oft im 20.000 - 30.000 OES-Bereich für ein Rad bewegt.
Wenn wir jetzt einfach sagen würden: "Kauft euch ein vollgefedertes
Rad", gehen vielen in den nächsten Supermarkt und kaufen
ein Bike für vielleicht 5000 OES. Doch Qualität hat ihren
Preis und wer etwas für seine Gesundheit tun möchte, sollte
schon bereit sein, ein paar Schilling mehr auszugeben. Ein ganz
wesentlicher Aspekt ist es, dass viele Menschen ihr Rad im Supermarkt
kaufen, welches überhaupt nicht zu ihnen passt. Der Rahmen
ist zu klein, der Sattel sitzt zu tief oder im falschen Winkel,
der Lenker verursacht Hand- und Rückenschmerzen. Wenn allerdings
das Fahrrad zum Fahrer passt, dann ist Mountainbiken ein gesunder
Sport. Ein weitere Hilfe sind Sattelstuetzenfederungen. Damit kann
man auch das Ausmaß der Schläge und Erschütterungen
vermindern. Sicher sind hier wieder hochwertige Produkte, welche
nicht nachschwingen, zu verwenden.
6.
Was empfehlen wir Mountainbiker, die "etwas" im Hoden spüren?
Wer Beschwerden hat, sollte sich untersuchen lassen. Neben einer
klinischen Untersuchung sollte auch ein Ultraschall durchgeführt
werden. Wer etwas ertastet, ist natürlich schnell verunsichert
und denkt sofort an Krebs. Doch die Gefahr, daran zu erkranken ist
gering. Wir fanden nur gutartige Veränderungen.
7.
Lassen sich unsere Ergebnisse auch auf Radfahrerinnen übertragen?
Es gibt bereits Studien, die zeigten, dass es auch bei Frauen
im Bereich der Geschlechtsorgane zu Durchblutungsstörungen
kommen kann. Es ist jedoch fraglich, ob es auch zu Verkalkungen
kommt. Es wäre theoretisch möglich, dass der Schamlippenbereich
betroffen ist. Jedenfalls hat man das bei Rodeoreiterinnen in den
USA festgestellt. Die Ergebnisse sind aber sicherlich nicht ganz
mit Mountainbiken vergleichbar.