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Forschung und Wissenschaft
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Während der letzten Jahre konnte ein stattliche Anzahl wertvollster anthropologischer Objekte mittels Computertomographie untersucht werden. Als besondere Komplikation in der Datenakquisition muß die Tatsache gewertet werden, daß die Objekte nur in unmittelbarer Umgebung ihres Aufbewahrungsortes in einer Klinik radiologisch untersucht werden konnten. Eine Ausnahme stellt in dieser Hinsicht der Schädel von Bodo (Äthiopien) dar, der unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen und nach zähen Verhandlungen an der Radiologie 2 computertomographisch erfaßt werden konnte.

Im folgenden sollen die bis dato computertomographisch erfaßten Objekte (siehe auch Kooperation mit Museen) vorgestellt werden:

  • Neandertaler wie der Schädel von Steinheim (200.000 Jahre) oder der Schädel von Monte Circeo (45.000 Jahre), Funde von Krapina (Krapina 1,3, 53 und 59) und der Fund von Le Moustier
  • Weiters wurden einige Mittelpleistocene Schädel (100.000 - 600.000 Jahre) untersucht: Die Schädel von Petralona, Broken Hill, Atapuerca (Cranium 5) und Bodo.
  • Es wurden aber auch sehr viel frühere hominide Funde gescanned: Australopithecine (2.5 - 3 Mio Jahre) wie die berühmte Mrs Ples (STS 5) oder die Funde STW 505 und STS 71.


Fragestellungen:

Von besonderer Bedeutung in der Forschung sind die Vermessung endokranialer Volumina und die Bestimmung deren Morphologien. Während einige der untersuchten Objekte - bei annähernd gleichem Alter - äußerlich große Ähnlichkeiten aufweisen, konnten doch mittels dreidimensionaler Rekonstruktionen große morphologische Differenzen im Inneren der Schädel festgestellt werden.

Die Berechnung der endokranialen Volumina brachte für die Mittelpleistocenen Schädel und einen Neandertaler folgende Ergebnisse:

Broken Hill 1270 cm3
Petralona 1170 cm3
Atapuerca 1020 cm3
Monte Circeo 1300 cm3.

Die letzten beiden Ergebnisse sind nur als Richtwerte zu verstehen. Genauere Vermessungen müssen erst erfolgen. Überhaupt ist eine exakte morphologische Berschreibung als auch Volumenbestimmung in den meisten Fällen schwierig, da die Funde leider Beschädigungen aufweisen. In solchen Fällen versucht man, unversehrt gebliebene Zonen zu spiegeln und anstatt der zerstörten oder stark deformierten Bereiche - trotz aller Unzulänglichkeiten! - für die Messungen zu verwenden. Von besonderem wissenschaftlichen Interesse waren die Volumsbestimmungen an den Australopithecinen (in genannten Fällen: Autralopithecus Africanus, Südafrika): 515 cm3 für den STW505 oder 485 cm3 für die Mrs Ples.

Diese Ergebnisse, morphologische Beschreibung des Endokraniums und die Volumenmessungen können als weitere Bausteine im Puzzle "Menschwerdung" interpretiert werden.

Methoden

Die "berührungslose" Untersuchung mittels Computertomographie war immer der Ausgangspunkt weiterer Studien am Computerbildschirm. Die CT-Aufnahmen wurden mit möglichst großer Auflösung des Geräts durchgeführt: mit 1mm Schichtdicke. Anschließend wurden die CT-Daten in Workstations weiterverarbeitet, um dreidimensionalen Rekonstruktionen für die Vermessungen zu berechnen. Weiters wurden Algorithmen zur Bestimmung des endokranialen Volumens entwickelt. (siehe auch VR-Radiologie)

Ergebnisse

Obwohl einige der untersuchten Funde aus derselben Zeit stammen - etwa die Mittelpleistocenen Schädel - und diese äußerlich sehr ähnlich sind, lassen sich große Unterschiede in der endokranialen Morphologie feststellen. Sie lassen Schlüsse auf verschiedene Phasen der Hirnentwicklung der einzelnen Spezies zu. Von großem Interesse ist die Vermessung der Hirnvolumina. Bei vielen der wertvollen Funde sind Teile des Schädels oder der Schädelgrube zerstört. Zur möglichst exakten Bestimmung des Volumens wurden am Computer die nicht zerstörten Teile um die Symmetrieachse gespiegelt.

 
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